Bitcoin, Litecoin und Dogecoin funktionieren nach demselben Grundprinzip: Rechner suchen so lange nach einer gültigen Zahlenkombination, bis ein Block die Anforderungen des Netzwerks erfüllt. Trotzdem lässt sich ein Bitcoin Miner nicht auf Litecoin oder Dogecoin richten und umgekehrt. Der Grund liegt in einer einzigen Designentscheidung aus dem Jahr 2011: Litecoin ersetzte SHA-256 durch Scrypt, und Dogecoin übernahm diesen Algorithmus zwei Jahre später bei seinem Start. Dieser Artikel erklärt, was die beiden Algorithmen unterscheidet, wie es historisch dazu kam und was daraus praktisch für Mining Betreiber folgt.
Das Wichtigste in Kürze
SHA-256 ist eine reine Rechenfunktion. Sie braucht praktisch keinen Arbeitsspeicher und lässt sich deshalb extrem dicht in Silizium packen. Bitcoin, Bitcoin Cash und Bitcoin SV nutzen sie.
Scrypt verlangt zusätzlich zum Rechnen einen Zwischenspeicher, bei Litecoin rund 128 Kilobyte pro Hash Vorgang. Litecoin, Dogecoin und eine Reihe kleinerer Chains nutzen sie.
Scrypt wurde gewählt, um ASICs auszubremsen. Das hat etwa zweieinhalb Jahre funktioniert: 2014 kamen die ersten Scrypt ASICs auf den Markt, seit 2015 ist GPU Mining auf Scrypt nicht mehr wirtschaftlich.
Die Hashrates beider Welten sind nicht direkt vergleichbar. Bitcoin liegt bei rund 900 EH/s, Litecoin bei rund 3 PH/s, ein Faktor von etwa 300.000. In Energie gerechnet beträgt der Unterschied nur etwa Faktor 20 bis 30, weil ein Scrypt Hash rund 20.000-mal mehr Strom kostet als ein SHA-256 Hash.
Merged Mining gehört auf der Scrypt Seite zum Standard: Ein Gerät schürft nicht nur Litecoin, sondern liefert dieselbe Rechenarbeit gleichzeitig an DOGE und mehrere kleinere Coins. Dogecoin allein trägt je nach Kursniveau rund 35 bis 45 Prozent des Umsatzes.
Für Betreiber entscheidet in beiden Welten dieselbe Rechnung: Effizienz mal Strompreis gegen Erlös pro Hashrate. Die Infrastruktur wie Racks, Strom, Kühlung, Lärmschutz, ist praktisch identisch, die Maschinen sind es nicht.
Zwei Algorithmen, ein Prinzip.
Proof of Work funktioniert bei allen hier besprochenen Coins gleich. Ein Miner stellt einen Blockkopf zusammen, verändert darin eine Zählvariable und schickt das Ganze durch eine Hash Funktion. Das Ergebnis ist eine scheinbar zufällige Zahl. Liegt sie unter einem Zielwert, den das Netzwerk vorgibt, ist der Block gültig und der Miner erhält die Belohnung. Liegt sie darüber, wird die Zählvariable erhöht und der Vorgang beginnt erneut. Milliardenfach pro Sekunde.
Das Netzwerk regelt über die Schwierigkeit (Difficulty) nach, wie niedrig dieser Zielwert liegt, damit die Blockzeit im Durchschnitt konstant bleibt. Kommt Rechenleistung hinzu, steigt die Schwierigkeit; verschwindet Rechenleistung, sinkt sie.
Der einzige relevante Unterschied zwischen Bitcoin und Litecoin auf dieser Ebene ist die Frage, welche Funktion die Würfelarbeit erledigt und welche Ressource sie dabei verbraucht. SHA-256 verbraucht Rechenzyklen. Scrypt verbraucht Rechenzyklen und Speicherzugriffe. Aus diesem einen Unterschied folgt der gesamte Rest: unterschiedliche Chips, unterschiedliche Hersteller, unterschiedliche Kennzahlen und zwei völlig getrennte Hardwaremärkte.
Die Geschichte: Wie zwei Algorithmen zu Konkurrenten wurden.
Die Trennung war keine technische Notwendigkeit, sondern eine Reaktion. Bitcoins Hardware Wettrüsten verdrängte innerhalb weniger Jahre alle Hobby Miner. Scrypt war der Versuch, diese Entwicklung zu verhindern. Dass der Versuch scheiterte, erklärt, warum heute beide Welten von industriellen ASICs dominiert werden und warum Dogecoin ohne Litecoin kaum überlebensfähig gewesen wäre.
SHA-256 und der Start von Bitcoin.
SHA-256 gehört zur SHA-2-Familie, die die US-Behörde NIST 2001 standardisierte. Sie war nie für Mining entworfen, sondern als schnelle, kollisionsresistente Prüfsumme für Signaturen und Integritätschecks.
Als das Bitcoin Netzwerk am 3. Januar 2009 seinen ersten Block erzeugte, verwendete es SHA-256 in doppelter Anwendung: Der Blockkopf wird zweimal hintereinander gehasht. Die Zielblockzeit lag bei zehn Minuten, die Belohnung bei 50 BTC. Gemint wurde auf normalen Prozessoren, und das war ausdrücklich so gedacht. Die Vorstellung eines Netzwerks, in dem jeder Rechner ungefähr gleich viel Stimmgewicht hat, war Teil des ursprünglichen Entwurfs.
Das SHA-256 Wettrüsten: Von der CPU zu den ersten ASICs.
Diese Vorstellung hielt etwa 18 Monate. SHA-256 besteht aus einer festen Folge einfacher Ganzzahloperationen ohne Speicherbedarf, und genau das macht sie ideal für spezialisierte Hardware.
2010 zeigte sich, dass Grafikkarten die Aufgabe deutlich besser bewältigen als Prozessoren, weil sie Tausende gleichartige Rechenwerke parallel betreiben. 2011 folgten FPGAs, also frei programmierbare Logikchips, mit besserem Verbrauch pro Hash. Anfang 2013 erreichten die ersten ASICs die Miner: Chips, die für eine einzige Aufgabe entwickelt wurden, das Berechnen von Bitcoin Hashes.
Der Effizienzsprung war brutal. Die erste ASIC Generation von 2013 lag bei etwa 1.200 Joule pro Terahash. Aktuelle Geräte liegen unter 10 J/TH, eine Verbesserung um mehr als den Faktor 100. Innerhalb weniger Monate war Mining am Heim-PC nicht mehr unrentabel, sondern chancenlos. Wer keine ASICs bestellt hatte, war aus dem Spiel.
Scrypt und das Versprechen der ASIC Resistenz.
Scrypt stammt nicht aus der Kryptowährungswelt. Colin Percival entwickelte die Funktion 2009 für seinen Backup-Dienst Tarsnap als Schlüsselableitungsfunktion für Passwörter. Ihr Zweck war, Brute-Force-Angriffe mit Spezialhardware teuer zu machen. Die Idee: Wenn jeder Rateversuch nicht nur Rechenleistung, sondern auch Arbeitsspeicher belegt, verliert ein Angreifer mit tausend parallelen Recheneinheiten seinen Vorteil, weil er tausendmal Speicher mitbezahlen muss.
Diese Eigenschaft nennt man Speicherhärte (memory hardness), und sie war im Bitcoin Umfeld ab 2011 hochinteressant. Im September 2011 erschien Tenebrix als erste Kryptowährung mit Scrypt als Proof-of-Work Funktion. Am 7. Oktober 2011 folgte Litecoin, entwickelt vom damaligen Google Ingenieur Charlie Lee: Scrypt statt SHA-256, 2,5 Minuten Blockzeit statt zehn, 84 Millionen Coins statt 21 Millionen.
Das Argument war explizit: Mit Scrypt sollten Grafikkarten und Prozessoren konkurrenzfähig bleiben, das Netzwerk also breiter verteilt. Bemerkenswert ist, dass Lee selbst diese Position früh relativierte und 2014 festhielt, ASIC Resistenz sei kein Ziel von Litecoin. Der praktische Effekt in der Frühphase war ohnehin bescheidener als das Versprechen: Grafikkarten waren auf Scrypt gegenüber Prozessoren nur etwa zehnmal schneller, auf SHA-256 dagegen ein Vielfaches davon. Der Abstand zwischen Hardwareklassen war kleiner, aber nicht verschwunden.
Dogecoin und die Scrypt Welle.
2013 wurde Scrypt zum Standard für neue Coins. Der Grund war ökonomisch: Alle GPU Miner, die Bitcoin durch ASICs verloren hatten, saßen auf funktionierender Hardware und suchten eine Verwendung. Scrypt Coins boten sie.
Am 6. Dezember 2013 startete Dogecoin, entwickelt von Billy Markus und Jackson Palmer als Abspaltung von Luckycoin, das seinerseits von Litecoin abstammte. Blockzeit: eine Minute. Belohnung: zunächst zufällig, später ein festes Schema. Neben Dogecoin entstanden dutzende weitere Scrypt Chains, von denen die meisten innerhalb von zwei Jahren verschwanden.
2014: Die ASICs erreichen auch Scrypt.
Die Speicherhärte verzögerte die Spezialhardware, sie verhinderte sie nicht. Ab Anfang 2014 lieferte Gridseed den ersten Scrypt ASIC aus, ein Gerät, das per Umschaltung sogar Scrypt und SHA-256 gleichzeitig rechnen konnte. Innosilicon folgte mit dem A2 Terminator, dem ersten Scrypt-Chip in 28-Nanometer-Fertigung. Auch KnCMiner nahm Vorbestellungen für den Titan an, korrigierte die versprochene Leistung im Laufe der Entwicklung jedoch mehrfach nach oben und lieferte schließlich verspätet aus. Endgültig zum Massenmarkt wurde Scrypt Mining 2017 mit Bitmains Antminer L3+, der die Pioniergeräte verdrängte und dessen Nachfolger L7 und L9 den Markt bis heute prägen.
Für Grafikkarten war die Sache damit binnen eines Jahres entschieden. Die neuen ASICs veränderten aber auch das Gleichgewicht zwischen den Scrypt Chains selbst. Besonders für Dogecoin wurde es kritisch: Die eigene Hashrate sank, und Miner wechselten laufend zwischen Litecoin und Dogecoin, je nachdem welche Chain gerade mehr abwarf. Diese Pendelbewegung destabilisierte beide Netzwerke.
Die Antwort war Merged Mining. Am 4. August 2014 kündigte das Dogecoin-Team Auxiliary Proof of Work (AuxPoW) an, aktiviert wurde es bei Block 371.337 um den 11. September 2014. Ab diesem Moment konnten Litecoin Miner dieselbe Rechenarbeit für beide Chains einreichen. Innerhalb eines Monats stiegen Hashrate und Schwierigkeit bei Dogecoin um rund 1.500 Prozent. Seither laufen beide Netzwerke praktisch im Gleichschritt; bereits 2019 stammte der überwiegende Teil der Dogecoin Hashrate aus Litecoin Pools.
Bilanz nach 15 Jahren: Scrypt hat den ASIC Einzug um etwa zweieinhalb Jahre verzögert und dabei eine dauerhafte zweite Hardware Ökonomie geschaffen.
Wie die beiden Algorithmen technisch funktionieren.
Die folgenden Abschnitte beschreiben, was in einem Hash-Vorgang tatsächlich passiert, ohne Formeln, aber genau genug, um die Konsequenzen für Chips und Stromverbrauch nachvollziehen zu können. Wichtig vorab: Scrypt ersetzt SHA-256 nicht, sondern enthält es. Intern verwendet Scrypt SHA-256 als Baustein und ergänzt es um eine Speicherphase.
SHA-256 erklärt
SHA-256 nimmt Daten beliebiger Länge und erzeugt daraus einen Fingerabdruck von 256 Bit. Die Funktion ist deterministisch, also bei gleicher Eingabe immer gleiches Ergebnis, und sie ist praktisch nicht umkehrbar: Aus dem Fingerabdruck lässt sich die Eingabe nicht zurückrechnen. Ändert man ein einzelnes Bit der Eingabe, sieht das Ergebnis vollständig anders aus.
Im Inneren zerlegt SHA-256 die Daten in Blöcke und schiebt sie durch 64 identisch aufgebaute Runden. Jede Runde besteht aus Additionen, Bitverschiebungen und logischen Verknüpfungen auf acht Zwischenwerten. Es gibt keine Verzweigungen, keine Sprünge und keinen Speicherzugriff. Beim Mining wird der 80 Byte große Blockkopf zweimal durch diese Prozedur geschickt und das Ergebnis mit dem Zielwert verglichen.
Für den Chipentwurf ist das ein Idealfall. Eine SHA-256-Recheneinheit ist so klein, dass ein moderner Chip Hunderttausende davon parallel betreiben kann. Skalieren bedeutet hier schlicht: mehr Kopien derselben Schaltung auf mehr Fläche.
Scrypt erklärt
Scrypt läuft in drei Phasen ab.
Zuerst erzeugt die Funktion aus der Eingabe einen Startwert, hier kommt SHA-256 zum Einsatz. Dann folgt die entscheidende Phase: Aus diesem Startwert wird eine große Tabelle pseudozufälliger Daten aufgebaut und im Speicher abgelegt. Anschließend wird diese Tabelle wieder durchlaufen, wobei die Reihenfolge der Zugriffe vom Inhalt der Tabelle selbst abhängt. Bei jedem Zugriff wird gemischt und weitergerechnet. Zum Schluss wird das Ergebnis zu einem Hash verdichtet.
Der Trick liegt in der zweiten und dritten Phase. Weil die Zugriffsreihenfolge vom Zwischenergebnis abhängt, lässt sie sich nicht vorhersagen und die Tabelle nicht verkleinern. Wer den Speicher einsparen will, muss die Werte bei jedem Zugriff neu berechnen und das kostet mehr, als es einbringt.
Wie groß diese Tabelle ist, legt ein Parameter fest. Litecoin verwendet eine Einstellung, die auf etwa 128 Kilobyte pro Hash-Vorgang führt. Dogecoin und die übrigen Scrypt-Chains nutzen die gleichen Werte, weshalb dieselbe Hardware überall funktioniert.
Warum der Speicherbedarf den Unterschied macht.
Auf einem Chip ist Platz die knappe Ressource, und Speicher braucht davon viel. Während sich Rechenwerke mit jeder neuen Chip-Generation weiter verkleinern lassen, gilt das für Speicherzellen nur begrenzt. Jede Scrypt-Recheneinheit braucht ihren eigenen Zwischenspeicher, der den größten Teil der Fläche belegt. Statt Hunderttausender Recheneinheiten wie bei SHA-256 passen deshalb deutlich weniger auf einen Chip.
Das ist der Grund für alle Kennzahlenunterschiede: weniger Hashes pro Sekunde pro Gerät, deutlich höherer Energieaufwand pro Hash, und ein kleinerer Abstand zwischen Universalhardware und Spezialhardware. Genau darauf beruhte die Hoffnung auf ASIC Resistenz.
Warum sie trotzdem nicht aufging, hat einen strukturellen Grund. 128 Kilobyte sind für einen modernen Chip wenig; heute lassen sich tausende solcher Zwischenspeicher auf einem einzigen Chip unterbringen. Ein deutlich größerer Parameter war aber nie eine Option: Jeder Full Node muss jeden Blockkopf selbst nachprüfen. Würde eine Prüfung Hunderte Megabyte Speicher verlangen, wäre der Betrieb eines Nodes auf normaler Hardware unmöglich und damit genau die Dezentralisierung gefährdet, die man schützen wollte. Speicherhärte im Blockkopf ist deshalb nach oben begrenzt, und in diesem Fenster gewinnen ASICs.
Scrypt und SHA-256 im direkten Vergleich.
Merkmal | SHA-256 | Scrypt |
Leitcoin | Bitcoin (BTC) | Litecoin (LTC) |
Zweiter großer Coin | Bitcoin Cash (BCH) | Dogecoin (DOGE) |
Start des Leitcoins | Januar 2009 | Oktober 2011 |
Herkunft des Algorithmus | SHA-2-Familie, NIST-Standard 2001 | Colin Percival, 2009 |
Genutzte Ressource | reine Rechenleistung | Rechenleistung plus Arbeitsspeicher (ca. 128 KB pro Hash) |
Zielblockzeit | 10 Minuten (BTC) | 2,5 Minuten (LTC), 1 Minute (DOGE) |
Block-Reward | 3.125 BTC | 6.25 LTC bzw. 10,000 DOGE |
Nächste Halbierung | ca. April 2028 (auf 1.5625 BTC) | ca. Juli 2027 (auf 3.125 LTC); DOGE ohne Halving |
Maximalmenge | 21 Mio. BTC | 84 Mio. LTC; DOGE unbegrenzt |
Netzwerk-Hashrate | rund 900 EH/s | rund 2,7–3,1 PH/s (LTC) |
Typische Hardware | Antminer S21/S23, Whatsminer, Avalon | Antminer L7/L9, ElphaPex DG1/DG2, Goldshell |
Leistung pro Gerät | ca. 225–1,160 TH/s | ca. 2.4–20.5 GH/s |
Effizienzkennzahl | Joule pro Terahash (J/TH), aktuell 8.9–13.5 | Joule pro Megahash (J/MH), aktuell 0,19–0,25 |
Energie pro Hash | Referenzwert | rund 20.000-mal höher |
Merged-Mining-Partner | Namecoin, Elastos, Hathor, Syscoin, Rootstock, Fractal Bitcoin | Dogecoin, Bellscoin, Pepecoin, Luckycoin, Junkcoin, Dingocoin |
Hardware-Ökosystem | groß, viele Hersteller, Hydro und Immersion verbreitet | kleiner, wenige Hersteller, überwiegend Luftkühlung |
Warum Hashrates nicht direkt vergleichbar sind.
Bitcoin liegt bei rund 900 Exahash pro Sekunde, Litecoin bei rund 3 Petahash pro Sekunde. Das ist ein Faktor von etwa 300,000 und diese Zahl sagt nur wenig aus.
Der Grund: Ein Scrypt Hash ist ein völlig anderes Stück Arbeit als ein SHA-256 Hash. Rechnet man die aktuellen Spitzenwerte um, kostet ein Scrypt Hash auf heutiger Hardware etwa 20,000-mal mehr Energie als ein SHA-256 Hash (0.21 J/MH gegenüber 9.5 J/TH).
Sinnvoller ist der Vergleich über den Energieeinsatz. Rechnet man die Netzwerk Hashrate mit der Effizienz aktueller Geräte hoch, verbraucht das Bitcoin Netzwerk etwa 15 bis 20 Gigawatt, die Scrypt Netzwerke etwa 0.6 bis 0.8 Gigawatt. Das ist ein Faktor von etwa 20 bis 30, dieser ist deutlich, aber weit entfernt von 300,000. Das Sicherheitsbudget von Litecoin ist also nicht mikroskopisch klein, es ist eine gute Größenordnung kleiner.
Ein zweiter Punkt betrifft die Zahlen selbst. Hashrate lässt sich nicht messen, sondern nur aus Schwierigkeit und beobachteten Blockzeiten schätzen. Je nach Beobachtungsfenster kommen unterschiedliche Werte heraus. Für Dogecoin fanden sich 2026 Angaben zwischen 1.7 und 4.2 PH/s, für Bitcoin je nach Anbieter Werte zwischen etwa 900 EH/s und über 1 ZH/s. Wer solche Zahlen in Kalkulationen verwendet, sollte Quelle und Mittelungszeitraum mitnotieren. Difficulty Werte verschiedener Chains sind untereinander ebenfalls nicht vergleichbar, weil jede Chain ihre eigene Bezugsgröße verwendet.
Blockzeiten, Rewards und Emission.
Bitcoin zielt auf zehn Minuten pro Block und zahlt derzeit 3.125 BTC. Die Belohnung halbiert sich alle 210,000 Blöcke, der nächste Termin liegt bei Blockhöhe 1,050,000 und wird für April 2028 erwartet, dann sinkt sie auf 1.5625 BTC. Pro Tag entstehen aktuell etwa 450 neue BTC.
Litecoin zielt auf 2.5 Minuten und zahlt 6.25 LTC. Halbiert wird alle 840,000 Blöcke, der nächste Termin wird um Ende Juli 2027 erwartet. Die letzte Halbierung fand im August 2023 statt, die Netzwerk Hashrate ist seither von unter 0.8 PH/s auf rund 3 PH/s gestiegen, hat sich also trotz halbierter Belohnung mehr als verdreifacht.
Dogecoin ist der Sonderfall. Seit Block 600,000 liegt die Belohnung fest bei 10,000 DOGE pro Block bei einer Minute Blockzeit. Es gibt keine weiteren Halbierungen und keine Obergrenze. Täglich entstehen rund 14.4 Millionen DOGE, jährlich etwa 5.3 Milliarden. Weil die Menge absolut konstant bleibt, sinkt die relative Inflation von Jahr zu Jahr.
Welche Coins auf welchem Algorithmus laufen.
Ein ASIC kann nur den Algorithmus rechnen, für den er gebaut wurde. Damit legt der Algorithmus auch fest, auf welche anderen Coins ein Gerät ausweichen kann. Die folgenden Abschnitte zeigen, welche Chains jeweils in Frage kommen und wie realistisch ein Wechsel ist.
SHA2-56 Coins
Neben Bitcoin sind vor allem Bitcoin Cash und Bitcoin SV relevant, beide 2017 beziehungsweise 2018 aus Bitcoin abgespalten und mit identischem Belohnungsschema: beide zahlen ebenfalls 3.125 Einheiten pro Block bei zehn Minuten Blockzeit. Weiter kommen eCash und Fractal Bitcoin in Betracht, außerdem einige Dutzend ältere Forks, von denen die meisten keine Rolle mehr spielen.
Da dieselben Geräte auf allen SHA-256 Chains funktionieren, pendelt sich die Rentabilität überall auf ein ähnliches Niveau: Wird eine kleinere Chain kurzzeitig lohnender, wechseln Miner dorthin, bis die Schwierigkeit nachzieht und der Vorteil verschwindet. Auf kleineren Chains findet ein einzelner Miner zwar öfter selbst einen Block, wird dafür aber in Coins bezahlt, die sich schwerer verkaufen lassen. Ein Sonderfall ist DigiByte: Die Chain nutzt mehrere Algorithmen parallel, darunter sowohl SHA-256 als auch Scrypt.
Scrypt Coins
Die tragenden Chains sind Litecoin und Dogecoin. Dazu kommt eine Gruppe kleinerer, meist Dogecoin-nahe Projekte, die über Merged Mining an Litecoin hängen: Bellscoin, Pepecoin, Luckycoin, Junkcoin und Dingocoin. Ältere Scrypt Coins wie Verge, Auroracoin oder GoldCoin existieren noch, spielen wirtschaftlich aber keine Rolle mehr.
Bemerkenswert ist die Struktur: Bis auf Litecoin und Dogecoin ist praktisch keine dieser Chains eigenständig minebar. Sie leben davon, als Nebenprodukt der Litecoin Arbeit mit abgesichert zu werden.
Merged Mining: Eine Maschine, zwei Chains.
Merged Mining nutzt aus, dass ein Proof of Work nur beweist, dass Arbeit geleistet wurde, nicht, für wen. Eine kleinere Chain kann festlegen, dass sie die Arbeit einer größeren Chain als gültigen Nachweis akzeptiert, sofern diese Arbeit einen Verweis auf ihren eigenen Block enthält. Der Miner rechnet einmal und reicht dasselbe Ergebnis bei beiden Netzwerken ein, ohne zusätzlichen Rechen- oder Stromaufwand. Die Ledger, Regeln und Belohnungen bleiben vollständig getrennt, geteilt wird ausschließlich die Rechenarbeit.
Das Verfahren stammt aus der Frühzeit von Bitcoin: Bereits 2010 als Konzept beschrieben, wird Namecoin seit 2011 mit Bitcoin zusammen geschürft. Dogecoin übernahm den Mechanismus drei Jahre später.
Heute sieht die Aufteilung so aus. Auf der SHA-256 Seite hängen unter anderem Namecoin, Elastos, Hathor, Syscoin, Rootstock und Fractal Bitcoin an Bitcoin. Auf der Scrypt Seite ist Litecoin die Elternchain für Dogecoin, Bellscoin, Pepecoin, Luckycoin, Junkcoin und Dingocoin, große Pools wie F2Pool, ViaBTC und AntPool schalten diese Chains automatisch dazu.
Der wirtschaftliche Unterschied zwischen den beiden Welten ist erheblich. Bei Bitcoin sind Merged-Mining-Erlöse eine Randnotiz gegenüber dem Block Reward. Bei Scrypt tragen die Nebenchains einen wesentlichen Teil der Einnahmen, Dogecoin allein liegt je nach Kursverhältnis bei etwa 35 bis 45 Prozent. Ein Scrypt Gerät ohne Merged Mining zu betreiben, verschenkt also nicht ein paar Prozent, sondern ungefähr ein Drittel des Umsatzes.
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens entscheidet der Pool, welche Chains mitlaufen, nicht der Betreiber. Zweitens fallen Erlöse in teilweise sehr illiquiden Coins an, für die Mindestauszahlungsschwellen gelten und deren Verkauf mit Abschlägen verbunden sein kann. Drittens ist die Zusammenstellung nicht stabil: AntPool hat den Support für mehrere kleinere Chains zum 10. Juli 2026 eingestellt. Kalkulationen, die auf dem gesamten Coin Korb aufbauen, sollten deshalb den Kern, LTC und DOGE, tragen und den Rest als Zugabe behandeln.
Die Infrastruktur ist algorithmusneutral.
Wer eine Fläche für ASIC Mining auslegt, legt sie nicht für einen Algorithmus aus. Anschlussleistung, Absicherung, Luftführung, Filter, Schallschutz, Netzwerk und Monitoring sind bei einem 3.5-Kilowatt-Scrypt-Gerät und einem 3.5-Kilowatt- SHA-256-Gerät praktisch gleich. Ein Standort, der SHA-256 Hardware betreiben kann, kann auch Scrypt Hardware betreiben.
Zwei Unterschiede sind trotzdem planungsrelevant. Erstens die Kühltechnik: Auf der SHA-256 Seite sind Wasser- und Immersionskühlung etabliert, mit entsprechendem Bedarf an Kühlkreis, Verteiler und Wartungskonzept, auf der Scrypt Seite bleibt Luft die Regel. Zweitens die Leistungsdichte: Ein einzelnes 3U-Rackgerät mit 1,16 PH/s ersetzt rechnerisch mehrere luftgekühlte Geräte, verbraucht mit rund 11 kW aber auch entsprechend mehr Strom auf demselben Platz. Stromzuführung und Absicherung im Rack müssen dafür ausgelegt sein. Wer beides betreiben will, plant nach dem anspruchsvolleren Fall.
Die Maschinen selbst sind dagegen nicht übertragbar. Ein SHA-256-ASIC kann Scrypt nicht rechnen und umgekehrt. Das ist die eigentliche Bindung, und sie liegt im Gerät, nicht im Gebäude.
Diversifizierung über Algorithmen hinweg.
Was eine Aufteilung auf beide Algorithmen tatsächlich bringt: unterschiedliche Erlöstreiber und unterschiedliche Kalendertermine. Die Scrypt Seite hängt an LTC und DOGE plus Nebenchains, die SHA-256 Seite an BTC. Die Halbierungen liegen versetzt, Litecoin voraussichtlich Juli 2027, Bitcoin voraussichtlich April 2028, sodass nicht beide Erlösströme gleichzeitig einbrechen. Dogecoin hat gar keine Klippe mehr.
Was sie nicht bringt: Unabhängigkeit vom Kryptomarkt. Beide Erlösseiten korrelieren stark mit dem allgemeinen Marktumfeld: In einem breiten Abschwung fallen sie gemeinsam, in einem Aufschwung steigen sie gemeinsam.
Was sie kostet: doppelte Herstellerbeziehungen, doppelte Pool- und Wallet-Einrichtung, doppeltes Ersatzteillager. Der Scrypt-Gebrauchtmarkt ist deutlich dünner, was den Ausstieg aus einer Flotte teurer macht. Und weil die Hardware nicht umgewidmet werden kann, ist jede Kaufentscheidung eine Wette auf einen Algorithmus über die gesamte Nutzungsdauer.
Beide Algorithmen aus einer Hand: Mining mit Bitkern
Wer nach der Lektüre nicht zwischen den Welten wählen will, muss es nicht. Bitkern bietet Hardware und Hosting für beide Algorithmen an: auf der SHA-256 Seite aktuelle Bitcoin Miner wie den Antminer S21 XP, auf der Scrypt Seite den Antminer L9 für Litecoin und Dogecoin inklusive Merged Mining. Über Bitkern PRO stehen dafür über 20 Hosting Standorte weltweit zur Verfügung, mit Strompreisen ab $0.049 pro kWh und 24/7 Support.
Wer unsicher ist, welcher Algorithmus oder welches Setup zur eigenen Strategie passt, bucht am besten einen Termin mit einem Bitkern Experten.
Quellen
https://hashrateindex.com/blog/hashrate-index-roundup-august-17-2026-2/
https://cryptorank.io/news/feed/ba5a0-bitcoin-miner-exit-hash-rate-slump
https://www.asicminervalue.com/coins/ltc-litecoin
https://www.kucoin.com/blog/dogecoin-mining-profitability-2026-guide
https://www.coindesk.com/markets/2014/05/14/kncminer-reveals-additional-titan-scrypt-asic-specs
https://litecoin.watch/articles/understanding-the-scrypt-mining-algorithm
https://www.coindesk.com/markets/2014/08/04/dogecoin-to-allow-litecoin-merge-mining-in-network-security-bid
https://www.binance.com/en/research/analysis/merged-mining
https://support.viabtc.com/hc/en-us/articles/11477430615439-LTC-Merged-Mining-Coins-Mining-Tutorial
https://blocksbridge.substack.com/p/hidden-message-bitmain-antminer-s23
https://xonmining.com/product/bitmain-antminer-s23-xp-hyd/
https://asicminerinsider.com/blog/antminer-l9-17-gh-s-review-is-it-still-profitable-in-2026
https://bt-miners.com/products/elphapex-dg2-litecoin-dogecoin-miner-20-5gh-s-bt-miners/
https://www.coingecko.com/en/coins/bitcoin/bitcoin-halving
https://en.wikipedia.org/wiki/Bitcoin
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Scrypt und SHA-256?
SHA-256 ist eine reine Rechenfunktion ohne Speicherbedarf. Scrypt rechnet ebenfalls, legt dabei aber zusätzlich eine große Tabelle im Arbeitsspeicher an und greift in unvorhersehbarer Reihenfolge darauf zu. Dieser Speicherbedarf, bei Litecoin rund 128 Kilobyte pro Hash, macht Scrypt Chips größer und pro Hash deutlich energieintensiver. Praktisch bedeutet der Unterschied, dass Bitcoin Hardware und Litecoin Hardware nicht austauschbar sind. Scrypt verwendet SHA-256 intern als Baustein und ersetzt es nicht.
Warum hat Litecoin nicht SHA-256 verwendet?
Litecoin startete im Oktober 2011, mitten im Bitcoin-Hardware-Wettrüsten von der CPU zur GPU. Scrypt wurde gewählt, weil der Speicherbedarf spezialisierte Chips ausbremsen und Mining damit breiter verteilt halten sollte. Ein zweites Motiv war Abgrenzung: Ein eigener Algorithmus verhinderte, dass die vorhandene Bitcoin Rechenleistung sofort auf die neue, viel kleinere Chain umgeschwenkt werden konnte.
Ist Scrypt sicherer als SHA-256?
Als Hash-Funktion nicht. Beide gelten kryptografisch als unversehrt, und Scrypt baut ohnehin auf SHA-256 auf. Die Sicherheit eines Proof-of-Work Netzwerks hängt nicht vom Algorithmus ab, sondern davon, wie teuer ein Angriff wäre. Gemessen am eingesetzten Energiebudget liegen die Scrypt-Netzwerke etwa eine Größenordnung unter Bitcoin, rund 0.6 bis 0.8 Gigawatt gegenüber 15 bis 20 Gigawatt. Merged Mining stärkt dabei die kleineren Chains, weil sie das Sicherheitsbudget von Litecoin mitnutzen.
Welche Coins nutzen Scrypt?
Die wirtschaftlich relevanten sind Litecoin und Dogecoin. Über Merged Mining an Litecoin hängen zusätzlich Bellscoin, Pepecoin, Luckycoin, Junkcoin und Dingocoin, deren Verfügbarkeit je nach Pool variiert. Ältere Scrypt Coins wie Verge, Auroracoin, Catcoin oder GoldCoin existieren technisch weiter, spielen aber keine Rolle mehr. DigiByte nutzt Scrypt als einen von mehreren parallelen Algorithmen. Ein Scrypt ASIC deckt diesen gesamten Bereich ab, weil alle genannten Chains dieselben Parameter verwenden.
Was ist Merged Mining und warum wird es eingesetzt?
Merged Mining erlaubt es, dieselbe Rechenarbeit gleichzeitig bei mehreren Blockchains einzureichen. Technisch heißt das Auxiliary Proof of Work: Eine kleinere Chain akzeptiert die Arbeit einer größeren als Nachweis, sofern diese einen Verweis auf ihren Block enthält. Für die kleinere Chain bedeutet das Sicherheit, die sie allein nicht aufbringen könnte, für Miner bedeutet es zusätzliche Erlöse ohne zusätzlichen Stromverbrauch. Dogecoin nutzt das Verfahren seit September 2014, Namecoin schon seit 2011 mit Bitcoin.
Warum ist die Bitcoin Hashrate so viel höher als die von Litecoin?
Weil ein SHA-256 Hash viel weniger Arbeit ist. Auf aktueller Hardware kostet ein Scrypt Hash etwa 20.000-mal mehr Energie, also erzeugt dieselbe Wattzahl entsprechend weniger Scrypt Hashes. Der nominale Abstand von rund 900 EH/s zu rund 3 PH/s entspricht ungefähr Faktor 300.000, spiegelt aber überwiegend diesen Kostenunterschied pro Hash. Rechnet man in Energie um, bleibt ein Verhältnis von etwa 20 bis 30 zu 1. Hashrate Zahlen sind nur innerhalb desselben Algorithmus vergleichbar.